Die Krux mit dem Koordinationsabzug in der 2. Säule

Veröffentlicht am 20. Januar 2017 | in Vorsorge

70 Prozent der selbstständig erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit, belegt die Studie «Bedeutung und Positionierung von Frauen in Schweizer KMU» der Universität St. Gallen im Auftrag des sgv und der KMU Frauen Schweiz. Der hohe Anteil erstaunt nicht, da Frauen die Selbstständigkeit häufig wählen, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können.

Koordinationsabzug erfolgt derzeit noch unabhängig vom Beschäftigungsgrad
In der beruflichen Vorsorge ergibt sich für die betreffenden Einzelunternehmerinnen damit allerdings eine Hürde: der Koordinationsabzug. Wie es der Name besagt, wird der im Rahmen des BVG-Obligatoriums versicherbare AHV-Lohn gesetzlich um diesen Abzug reduziert, um die Leistungen aus dem BVG mit denjenigen aus der AHV/IV zu koordinieren. In der 2. Säule lässt sich dadurch nur der Lohnanteil über dieser Grenze versichern. Aktuell beträgt der Koordinationsabzug CHF 24 675, was 7/8 einer maximalen einfachen AHV-Jahresrente entspricht. Unschön ist insbesondere, dass der Koordinationsabzug unabhängig vom Beschäftigungsgrad erfolgt. Wer also den koordinierten Lohn noch nicht oder vorübergehend nicht erreicht, kann somit im betreffenden Jahr nicht in die berufliche Vorsorge einzahlen.

Das ist bedauerlicherweise auch bei den beiden Vorsorgeplänen unserer BVG-Lösung IMPAVIDA der Fall. Sie decken vorläufig erst einmal das BVG-Obligatorium ab. Bis spätestens Ende Jahr soll das Angebot allerdings um Vorsorgepläne mit überobligatorischen Elementen ergänzt werden. Im überobligatorischen Bereich sieht der Gesetzgeber vor, dass der Vorsorgeanbieter auf den Koordinationsabzug entweder ganz verzichten kann oder ihn zumindest dem Beschäftigungsgrad entsprechend reduzieren kann.

Reform der Altersvorsorge 2020 thematisiert Koordinationsabzug
Der Bundesrat hat das Dilemma des Koordinationsabzugs bei tieferen Einkommen erkannt und schlägt in der Reform der Altersvorsorge 2020 eine generelle Streichung des Koordinationsabzugs vor. Damit würde sich das Leistungsniveau für niedrigere Einkommen grundsätzlich verbessern. Allerdings entstünden im klassischen Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhältnis Mehrkosten, da die Arbeitgeber wie die Mitarbeitenden sowohl in der 1. wie in der 2. Säule die entsprechenden Beiträge auf dem selben Lohn zu zahlen hätten.

Für die Einzelunternehmerin ist der Kostenaspekt weniger relevant, da sie so oder so den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmerbeitrag zahlt. Der Nachteil des bundesrätlichen Vorschlags ist allerdings, dass damit sowohl in der 1. wie in der 2. Säule die Risikobeiträge anfallen würden, was zu einer Überversicherung führt.

Der Gegenvorschlag des Ständerats sieht darum nur eine Reduktion des Koordinationsabzugs von 7/8 auf 3/4 der der maximalen einfachen AHV-Rente vor. Er will gleichzeitig im Gesetz verankert sehen, dass der Koordinationsabzug zukünftig generell mit dem Beschäftigungsgrad gewichtet wird.

Auch ohne IMPAVIDA-Anschluss: Die Risiken im Auge behalten
Auch wenn für Mitglieder, deren Einkommen unter dem Koordinationsabzug liegt, ein IMPAVIDA-Anschluss derzeit noch nicht in Frage kommt, kann es sich gleichwohl lohnen, eine unabhängige Vorsorgeberatung in Anspruch zu nehmen, um sich ein Bild der eigenen Vorsorgesituation und insbesondere der Deckung des Invaliditäts- und Todesfallrisikos zu machen.

Wir werden in den nächsten Wochen in einem Newsletter «In eigener Sache» über das IMPAVIDA-Anmeldeprozedere informieren. Fragen können Sie jederzeit auch an impavida@frauenunternehmen.ch richten.

Für weiteren Durchblick zu dem komplexen Thema sorgt dieses VIDEO.
(mit freundlicher Genehmigung von Fintool – Anlagewissen kompakt)

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