Arbeiten im Alter: Ein verkanntes Potenzial für die Vorsorge

Veröffentlicht am 12. November 2016 | in Vorsorge

Die Debatte um das Rentenalter ist ein Dauerbrenner. Hinsichtlich der Altersreform 2020 liegt der Konsens aktuell bei 65 Jahren für Männer wie für Frauen. Zukünftig soll der Rentenbezug flexibel zwischen 62 und 70 Jahren möglich sein. Im Gesetz wird darum auch nicht mehr vom Rentenalter sondern vom Referenzalter gesprochen. In der erwähnten Phase sollen sich die Versicherten auf Wunsch auch schrittweise aus dem Erwerbsleben zurückziehen können mit einem frei wählbaren Pensum zwischen 20 und 80 Prozent.

Die Flexibilisierung und Individualisierung bezüglich des Übergangs vom Erwerbsleben in die Pensionierung ist grundsätzlich zu begrüssen. Nicht nachvollziehbar ist dagegen, warum die Altersgrenze nach oben kein Thema ist, zumal die Grenze für die Frühpensionierung (mit Ausnahme der Baubranche) von 58 auf 62 angehoben werden soll.

Das maximale Rentenalter: eine künstliche Grenze
Nicht nur bleibt dahingestellt, ob die geplante Reduktion des Rentenumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent und die Erhöhung des ordentlichen Rentenalters von Frauen von 64 auf 65 Jahre tatsächlich ausreichen, um die weiter steigende Lebenserwartung nachhaltig finanzieren zu können. Das maximale Referenzalter von 70 Jahren, wie es heute und auch in Zukunft gelten soll, ist für uns Frauen mit eigener Firma eine künstliche Grenze. Sei es, dass wir länger arbeiten wollen, weil wir begeistert sind, von dem, was wir tun. Sei es, dass wir länger arbeiten müssen, um Vorsorgelücken zu füllen, die sich aufgrund unserer Biografie (Tätigkeit im Ausland, Familienzeit, Sabbaticals etc.) ergeben haben.

Der gerne verwendete Einwand von wegen altersbedingter körperlicher Limitationen dürfte auf uns kaum zutreffen, da wir überwiegend in beratenden Berufen tätig sind und keine Balken auf Baustellen schleppen oder auf Dachfirsten balancieren müssen. Grundsätzlich hindert uns der Gesetzgeber zwar nicht am Weiterarbeiten nach 70. Allerdings können wir ab diesem Zeitpunkt nur noch freiwillig im Rahmen der Säule 3b für unser Alter vorsorgen. Die dementsprechenden Bank- und Versicherungsprodukte in diesem Bereich haben – sofern sie in diesem Alter überhaupt noch abgeschlossen werden können – den Nachteil, dass sie nicht in einer Rente sondern eine Kapitalauszahlung münden. Wer im Umgang mit Finanz- und Anlagethemen nicht versiert ist, kommt da schnell einmal an Grenzen.

Altersvorsorge 70plus: (Noch) keine Antworten auf wachsendes Bedürfnis
Es wäre darum wünschenswert, dass der Gesetzgeber in der beruflichen Vorsorge, wo wir für uns selbst ansparen, die maximale Altersgrenze im selben Ausmass erhöht, wie er sie bezüglich der Frühpensionierung anheben will. Dies auch im Wissen darum, dass heute bereits jeder fünfte Erwerbstätige in der Schweiz selbstständig ist. Und angesichts der Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte dieser Anteil weiter steigen. Der Verband Frauenunternehmen hat dazu ein politisches Anliegen zuhanden der Alliance F, dem Dachverband der Frauenverbände in der Schweiz.

Zum anderen liegt darin eine Chance für Vorsorgeanbieter, dem wachsenden Bedürfnis von Erwerbstätigen, über das maximale Rentenalter hinaus zu arbeiten, mit geeigneten Vorsorgelösungen zu begegnen. Dass der Wunsch nach einer längeren Erwerbszeit nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigte sich letzthin auch in einer Befragung von AXA Investment Managers zum Wissen und zur Einstellung der Versicherten zur 2. Säule. Dort äusserten 41 Prozent der Befragten, dass sie gerne länger arbeiten würden respektive gerne länger als bis zum ordentlichen Rentenalter gearbeitet hätten.

Mit unserer BVG-Lösung IMPAVIDA verfolgen wir weiterhin aufmerksam, welche Chancen und Herausforderungen die Altersreform 2020 mit sich bringt.

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