Fünf Jahre nachdem der damalige Vorstand den Startschuss für die Entwicklung einer berufsübergreifenden BVG-Verbandsvorsorgelösung gegeben haben, durften wir gerade ein wichtiges Etappenziel feiern: Wir haben das EBG-Projekt offiziell abgeschlossen. Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) hat die Entwicklung und Lancierung im Rahmen der Finanzhilfen nach dem Gleichstellungsgesetz grosszügig unterstützt. Nun überführen wir IMPAVIDA in den Normalbetrieb. 

Eine gute Gelegenheit, Rückschau zu halten und einen Blick voraus zu werfen. Was haben wir erreicht, seit wir Anfang 2014 Projektantrag unterschrieben haben? 

Am Anfang war die Ermittlung eurer Vorsorgebedürfnisse  

Gestartet haben wir mit einer breit angelegten Befragung, um von Frauen mit eigener Firma zu erfahren, welche Aspekte eine BVG-Verbandsvorsorgelösung erfüllen soll, die ihren Bedürfnissen entspricht. Damals wie heute gilt:  

  • eine stabile Entwicklung des Altersguthabens, das sie in der beruflichen Vorsorge ansparen (ausgedrückt durch den Deckungsgrad) 
  • eine angemessene Abdeckung der Risiken Invalidität und Tod 
  • vertretbare Verwaltungskosten für den Anschluss an die berufliche Vorsorge 
  • eine einfache administrative Abwicklung bei der Anmeldung zur BVG-Verbandslösung

Die Odyssee auf der Suche nach einem Vorsorgeanbieter
Rasch einmal war klar, dass wir in einem ersten Schritt die BVG-Verbandsvorsorgelösung durch einen Anschluss an eine Sammeleinrichtung realisieren würden, weil eine eigene Vorsorgeeinrichtung zu diesem Zeitpunkt unsere Möglichkeiten gesprengt hätte (https://frauenunternehmen.ch/wer-die-durchfuehrung-der-beruflichen-vorsorge-anbietet-und-warum-wir-keine-verbandseigene-pensionskasse-gruenden/). Was folgte, war die aufwendige Evaluation eines Vorsorgeanbieters, die der Odyssee glich, die viele von uns Selbstständigen bei der Suche nach einem BVG-Anschluss kennen. 

Für den Vorsorgemarkt waren wir in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung: Zwar dürfen Sammeleinrichtungen seit Anfang 2014 Branchenverbände im Rahmen der 2. Säule anschliessen. Allerdings sind wir kein Mono-Branchenverband, sondern schliessen Frauen mit eigener Firma berufsübergreifend an. Darauf haben die allermeisten Anbieter noch keine Antwort. 

Weil wir in keine ihrer bekannten «Schubladen» passen, sahen die meisten denn auch mehr Probleme als Lösungen. Verschiedene schickten uns erst einmal auf eine Tour bei den Aufsichts- und Steuerbehörden in der Meinung, wir bräuchten eine Sonderbewilligung. Heute wissen wir: Es ist und bleibt Sache des Vorsorgeanbieters abzuklären, ob ein Vorsorgewerk anschlussfähig ist.  

Eine weitere Herausforderung war für die Vorsorgeanbieter, dass wir mit einem Versichertenbestand von Null gestartet sind. Dem ist so, wenn ein Verband eine BVG-Lösung initiieren will, für die Vorsorgeanbieter aber halt «out of their box». So konnten sie ihre Systeme nicht mit realen Versichertendaten füttern.  

Heureka IMPAVIDA!
Trotz all dieser Hürden haben wir nicht aufgegeben, sondern uns für euch stark gemacht. In der Stiftung Auffangeinrichtung BVG haben wir einen Vorsorgepartner gefunden, der uns Selbstständigen versteht, uns eine unkomplizierte Lösung angeboten hat und ausgesprochen kundenorientiert ist. Auf das bislang Erreichte dürfen wir mit Recht stolz sein: 

  • Am Jour Fixe 2016 durften wir die Lancierung von IMPAVIDA der BVG-Lösung des Verbands Frauenunternehmen bekannt geben. Damit waren und sind wir schweizweit der einzige Verband, der im Rahmen der beruflichen Vorsorge von vornherein Selbstständige aller Berufsgattungen angeschlossen hat. Und ja, wir schliessen auch selbstständig erwerbstätige Männer an. Dies war Bedingung des EBG-Projekts. Ausserdem war der Zugang zur 2. Säule für Selbstständige unabhängig vom Geschlecht erschwert. 
  • IMPAVIDA ist übrigens spanisch und heisst unerschrocken oder furchtlos, was zur Art passt, wie den Weg zu unserer BVG-Verbandsvorsorgelösung gegangen sind und weiter gehen. Es passt aber ebenso zur Art, wie wir Unternehmerinnen unsere eigenen Firmen gegründet haben und führen. Ach ja, wir sind auch die einzigen, die eine BVG-Lösung mit einem eigenen Song haben (https://frauenunternehmen.ch/die-erste-bvg-vorsorgeloesung-mit-eigenem-song/).  
  • Seit 1. Januar 2017 können sich nun Selbstständige und Inhaber/-innen von GmbH oder AG über je eigene Vorsorgepläne bei IMPAVIDA anschliessen (www.impavida.ch). Vorläufig decken wir das BVG-Obligatorium (Jahreseinkommen bis CHF 85 320) ab. Selbstständige können darüber hinaus die Differenz zwischen dem maximal versicherten Lohn gemäss BVG und dem maximal versicherten UVG-Lohn (CHF 148 200) absichern.  
  • Da die berufliche Vorsorge zugegebenermassen keine einfache Materie ist, haben wir ergänzend ein unabhängiges Standardberatungsangebot zu einem fairen Preis entwickelt, mit dem sich die Eignung des jeweiligen Vorsorgeplans für die persönlichen Vorsorgebedürfnisse klären lässt, das die Beiträge und Leistungen von IMPAVIDA erläutert und Unterstützung beim konkreten Anschluss bietet.  

 

Mit IMPAVIDA schliessen wir insbesondere für Selbstständige eine wichtige Vorsorgelücke. Denn unabhängige Sammeleinrichtungen dürfen Selbstständige von Gesetzes wegen nicht anschliessen. Zudem bieten nur wenige Berufsverbände – so denn überhaupt einer besteht – ihren Mitgliedern eine BVG-Lösung an. Und dass die Stiftung Auffangeinrichtung BVG schon früher Selbstständige angeschlossen haben, wissen nach wie vor die wenigsten. Einfacher haben es da Inhaber/innen einer GmbH und AG. Für sie besteht BVG-Pflicht und damit auch ein grösseres Angebot an Anschlussmöglichkeiten.   

IMPAVIDA: Weitsicht vor Sorge
Der Abschluss des EBG-Projekts ist ein wichtiger Meilenstein, der aber noch längst nicht das Endziel markiert. Eine wichtige Hürde, die uns z. B. weiter beschäftigen wird, ist der gesetzlich bedingte Koordinationsabzug der einigen Unternehmerinnen, insbesondere denjenigen, die gerade in der Familienphase und darum reduziert erwerbstätig sind, den BVG-Anschluss verunmöglicht (https://frauenunternehmen.ch/die-krux-mit-dem-koordinationsabzug-in-der-2-saeule/). Auf politischer Ebene ist ausserdem das BVG-Obligatorium für Selbstständige ein Thema (https://frauenunternehmen.ch/bvg-obligatorium-fuer-selbststaendige-auf-dem-pruefstand/). Hier sind wir mit IMPAVIDA bestens positioniert. Um unsere BVG-Lösung weiterzuentwickeln, gründen wir eine ständige Vorsorgekommission, die unabhängig von der wechselnden Besetzung im Vorstand bestehen wird. 

In den letzten zwei Jahren haben wir erste Standardberatungsgespräche durchführen und erste Versicherte anschliessen können. IMPAVIDA ist bereit für Sie. Sind Sie es auch für IMPAVIDA? Haben Sie Fragen? Brauchen Sie Unterstützung beim Anschluss? Wir sind für Sie da unter impavida@frauenunternehmen.ch. Denken Sie daran: Wenn es um Ihre berufliche Vorsorge geht, gilt Weitsicht vor Sorge.  

Lesen Sie auch das Interview mit Corin Ballhaus, die das EBG-Projekt seit Mitte 2016 bis zum Abschluss geleitet hat, in «diewirtschaftsfrau»

Corin Ballhaus, Inhaberin Ballhaus Profiling