
Unsere Augen als Gesundheitsbarometer
Veröffentlicht am 17. Juli 2026
Kategorien: Blog,Unternehmerinnen inspirieren
Susanne Zumstein ist Sehtrainerin und Augencoach. Sie begleitet Menschen auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Sehen. In ihren Augentrainings gibt sie ihren Kund*innen ihre eigene Erfahrung weiter, dass wir die Entwicklung unserer Sehkraft selbst mitgestalten können. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz verbindet sie die Optimierung der Brillenkorrektur mit Wahrnehmung, Gewohnheiten und alltagstauglichen Lösungen.
In unserer Beitragsreihe zum VFU-Jahres-Motto «Gesund. Selbstbestimmt. Erfolgreich.» erläutert sie, wie wir unsere Augen als Gesundheitsbarometer wahrnehmen und nutzen können.
Wann hast du deine Augen zum letzten Mal bewusst wahrgenommen?
Wahrscheinlich schon lange nicht mehr.
Mit unseren Augen nehmen wir unsere Umwelt wahr. Wir lesen, arbeiten am Bildschirm, fahren Auto, erkennen Gesichter oder geniessen eine schöne Aussicht. Unsere Augen leisten den ganzen Tag Erstaunliches, und doch schenken wir ihnen oft erst dann Aufmerksamkeit, wenn sie sich negativ bemerkbar machen: wenn sie müde werden, brennen oder das Lesen plötzlich anstrengend wird.
Unsere Augen können für uns ein Gesundheitsbarometer sein, wenn wir sie lassen. Sie reagieren erstaunlich sensibel auf unseren Alltag: auf Stress, Dauerbelastung, fehlende Pausen und unsere Sehgewohnheiten.
Unsere Augen passen sich unserem Alltag an
Unser Alltag hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Viele von uns verbringen Stunden vor Bildschirmen. Der Blick wandert vom Computer aufs Handy, vom Handy zum Tablet und am Abend vielleicht noch zum Fernseher. Fast alles spielt sich auf kurze Distanz ab.
Für unser Sehsystem bedeutet das Konzentration und Anstrengung. Der Blick in die Weite hingegen ist für die Augen eigentlich eine Entspannung. Diese kleinen Erholungsmomente gönnen wir ihnen mittlerweile viel zu selten.
Nach einem langen Arbeitstag legen wir viel eher die Beine hoch und gönnen ihnen und unserem Rücken eine Pause. Unsere Augen hingegen funktionieren einfach weiter und leisten oft bis spät in die Nacht Höchstarbeit.
Sehen ist mehr als ein Vorgang der Augen
Wir sehen nicht mit den Augen allein. Unsere Augen liefern die Informationen, aber erst unser Gehirn lässt daraus das Bild entstehen, das wir wahrnehmen. Wie entspannt oder angespannt wir sehen, wird unter anderem vom Zustand unseres Nervensystems und von unseren Alltagsgewohnheiten beeinflusst.
Vielleicht kennst du das selbst: Nach einem hektischen Tag verschwimmt die Schrift schneller, die Augen fühlen sich müde an oder das Lesen fällt schwerer als am Morgen. Nicht immer liegt das an den Augen selbst, aber sie spiegeln uns, wie sehr unser ganzes System gerade gefordert ist.
Ist also die wichtigste Frage, wie gut und scharf wir in den verschiedensten Situationen sehen können? Oder wäre es dringender, uns zu fragen: Wie gehe ich mit meinen Augen im Alltag um?
Nehme ich wahr, wann meine Augen müde werden? Schaue ich zwischendurch bewusst in die Ferne? Merke ich, wie sich Stress auf mein Sehen auswirkt? Oder wird mir erst am Abend bewusst, wie viel meine Augen den ganzen Tag geleistet haben?
Wahrnehmung ist der Anfang von Veränderung
Wenn meine Kundinnen und Kunden mir mitteilen, dass sie besser sehen, freut mich das natürlich. Wenn mir aktuell Teilnehmende des Gruppenprogramms erzählen, dass sie dank unseren wöchentlichen Treffen ihren Augen im Alltag wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, ist dies fast das wertvollere Feedback. Sie erkennen früher, wann die Augen eine Pause brauchen, wann ihnen der Blick in die Ferne guttut oder wann Stress ihr Sehen negativ beeinflusst.
Gleichzeitig werden sie achtsamer für kleine und positive Veränderungen: für Momente, in denen sich das Sehen leichter, entspannter oder klarer anfühlt. Fortschritte zeigen sich zwar selten von heute auf morgen, aber sie sind in vielen kleinen Erfahrungen zu entdecken. Damit wir Erfolge überhaupt erkennen, müssen wir unserem Sehen Aufmerksamkeit schenken.
Unsere Augen passen sich täglich an das an, was wir von ihnen verlangen. Deshalb können auch kleinste Veränderungen unserer Sehgewohnheiten langfristig einen Unterschied machen.
Eine einfache Gewohnheit ist beispielsweise die sogenannte 20-20-20-Regel: Etwa alle 20 Minuten den Blick für rund 20 Sekunden auf etwas richten, das mindestens sechs Meter (20 Fuss) entfernt ist. Das ist eine kleine Einladung, den Augen zwischendurch etwas Abwechslung zu schenken und selbst kurz innezuhalten.
Gesund. Selbstbestimmt. Erfolgreich.
Gesund(heit) beginnt mit Wahrnehmung. Erst wenn ich bemerke, was meinen Augen und mir als Mensch guttut oder gar Energie raubt, kann ich bei diesen Gewohnheiten etwas verändern.
Selbstbestimmt bedeutet für mich, diese Signale ernst zu nehmen und im Alltag bewusst neue Gewohnheiten zu entwickeln. Weil ich mir selbst wichtig genug bin.
Und erfolgreich heisst für mich, langfristig gesund und mit Freude meinen Weg zu gehen.
Das kann damit beginnen, den eigenen Augen dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken, mit der sie uns jeden Tag die kleinen und grossen Schönheiten des Lebens entdecken lassen.
Susanne Zumstein



