Bloss nicht entmutigen lassen! Dass die Motivation schwankt und auch mal gegen Null geht, ist absolut normal. Manchmal sind die Gründe für ein Motivationstief aber äusserst subtil! #Motivation https://wp.me/p5JnCw-uu

Bloss nicht entmutigen lassen!

Veröffentlicht am 3. Oktober 2020 | in Mitglieder-News

Bloss nicht entmutigen lassen

Dass die Motivation schwankt und auch mal gegen Null geht, ist absolut normal. Auslöser hierfür müssen jedoch weder komplexe Aufgabenstellungen sein noch Druck- oder Stresssituationen, die in alte Gewohnheiten zurückführen. Manchmal sind die Gründe für ein Motivationstief äusserst subtil.

Die ganze Zeit sind Sie auf Kurs. Um Torten machen Sie schwungvolle Bögen („Sexy Körper – ich komme!“). Bei Team-Meetings beobachten Sie mit grossen Kinderaugen interessiert, wie facettenreich wir Menschen sind („Ich bin die Gelassenheit selbst“). Und am Abend hören Sie zur Entspannung eine halbe Stunde Musik nur für sich („Ich gönne mir Freiraum“). Doch dann kommt sie, die schwierige Situation. Manchmal wissen Sie von ihrem Kommen und können sich (halbwegs) vorbereiten. Manchmal erwischt es Sie aber auch kalt. Und manchmal kommt eine Entmutigung derart gut getarnt daher, dass Sie nur noch staunen können.

Arial oder Times New Roman?

Das ist ganz und gar nicht egal. Die Wissenschaftler Hyunjin Song und Norbert Schwarz von der University of Michigan (Ann Arbor) fanden heraus, dass unsere Motivation von Umständen beeinflusst und reduziert werden kann, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang erkennen lassen. In ihrem Experiment baten sie Studierende, die Anleitung zu einem Trainingsablauf im Fitnessstudio durchzulesen. Die eine Hälfte der Teilnehmer bekam den Text in der leicht lesbaren Schrift Arial. Die andere Gruppe erhielt den Text in der sehr verschnörkelten und eher schwer entzifferbaren Schrift Brush. Die Buchstabengrösse war in beiden Fällen die gleiche, ebenso die Schriftfarbe.
Zwar konnten beide Gruppen den Text verstehen und sich diesen auch einprägen, aber die Brush-Leser kamen zum Ergebnis, dass das Training aller Wahrscheinlichkeit nach sehr anstrengend sei und sie es daher vermutlich nicht antreten würden. Die Arial-Gruppe hielt den Ablauf hingegen für einfach und konnte sich gut vorstellen, das Trainingsprogramm regelmässig durchzuführen.

Schwarzwälder Kirschtorte in Tahoma backt sich leichter

Wie schnell man allein aufgrund der Lesbarkeit einer Schrift trügerische Rückschlüsse über den Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe ziehen kann, zeigt ein weiteres Experiment des Forscher-Duos. Probanden, die Rezepte in einer schwer lesbaren Schrift lesen mussten, meinten, sie würden das Gericht eher nicht kochen, da es zu schwierig sei und zu viel Zeit in Anspruch nehme. Die Vergleichsgruppe sah das anders: Selbst Ahnungslose trauten sich schwierige Gerichte zu.

Was tun beim nächsten Motivationstief?

Wir sollten uns bewusst sein, dass unsere Motivation stark anfällig ist. Nicht nur alte Automatismen können stören, sondern auch nebensächliche Einflüsse, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Aufgabe zu tun haben. Wenn ein äusserer Reiz derart stark auf unser Unbewusstes wirken kann, dass er unsere Reaktionen beeinflusst, lässt dies erahnen, wie mächtig manche Nebensächlichkeiten sein können.

Der psychologische Fachbegriff für diese unbewusste Bahnung ist Priming. Man kann hier auch von einer Art der Manipulation sprechen, die in der Werbung sehr stark eingesetzt wird, um bei Verbrauchern Bedürfnisse zu wecken. Die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Kaufreaktion wird durch gezieltes Priming erhöht – jedoch nur, wenn ein entsprechendes Bedürfnis oder Motiv vorliegt. Sitze ich im Kino und habe keine Lust auf ein Eis, können weder Vanilleduft noch ein Sommerlied oder der Eiscreme-Spot am Ende des Werbeblocks mich dazu anregen, ein Eis zu kaufen.

Selber primen oder geprimed werden – das ist hier die Frage

In der Sozialpsychologie liegt mittlerweile eine Fülle von Experimenten vor, die zeigen, wie Priming neuronale Netze gezielt aktivieren kann und wie sich − ausgelöst durch diese Aktivierung − ganze Verhaltenssequenzen im Sinne des Primings beeinflussen lassen. Aus der Gehirnforschung wissen wir: Das menschliche Gehirn kann seine Struktur verändern, und zwar bis ins hohe Alter! Man nennt diese Tatsache neuronale Plastizität. Die häufige Benutzung von Nervenverbindungen stärkt deren Effektivität.

Das Zürcher Ressourcen-Modell (ZRM®) macht sich das Wissen um die Formbarkeit unseres Gehirns zunutze. Auf Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zum menschlichen Lernen und Handeln wurde an der Universität Zürich eine alltagstaugliche Methode entwickelt, mit deren Hilfe jeder erlernen kann, seine Wünsche und unbewussten Bedürfnisse zu erkennen und motiviert umzusetzen. Priming ist dabei eines der vielen auf seine Wirksamkeit wissenschaftlich untersuchten und erprobten Instrumente.