
In 51 Tagen übers Meer – wie 2 Schweizerinnen den Atlantik durchruderten
Veröffentlicht am 9. Juni 2025
Kategorien: Blog,Mitglieder-News,Unternehmerinnen inspirieren
Vor gut einem Jahr hat Andrea Kern in ihrem Blog-Beitrag über «2 Frauen, 1 Boot und 1.5 Mio. Ruderschläge über den Atlantik» berichtet.
Inzwischen ist das abenteuerliche Unternehmen der WORLD’S TOUGHEST ROW für sie Geschichte: Am 31. Januar 2025 haben Carla Lemm und Katrin Blattner ihre Atlantik-Überquerung im Ruderboot erfolgreich beendet. Sie waren in 51 Tagen von Gomera nach Antigua gerudert.
Während du HIER alles an Zahlen, Daten und Fakten über das Charity-Abenteuer der beiden Abenteurerinnen findest, konzentriert sich mein Blog-Beitrag auf ihr persönliches Erleben. Katrin Blattner hat mir stellvertretend meine Fragen beantwortet:
Liebe Katrin, ihr habt eine beeindruckende und sehr herausfordernde Leistung erbracht, auf die ihr euch sehr lange und gründlich vorbereitet habt. Welche Gedanken und Gefühle standen bei eurer Ankunft am Ziel im Vordergrund?
Bei unserer Ankunft auf Antigua war vor allem Erleichterung spürbar. Die körperliche Erschöpfung war durch das Adrenalin kaum spürbar. Besonders schön war der Empfang von meinem Bruder, Freunden sowie Teams, die vor uns angekommen waren und uns frühmorgens begrüsst haben.
Wie würdest du deinen »Zustand« in den Wochen danach beschreiben? Gab es das berühmte Loch, in das du gerutscht bist oder bestand die Gefahr, hineinzurutschen? Oder stand z. B. eher Erleichterung und das Bedürfnis nach Ruhe und/oder endlich wieder andere Themen im Vordergrund?
In den ersten Wochen war mein Bedürfnis nach Ruhe enorm. Und trotzdem war es wichtig, möglichst schnell wieder einen geregelten Alltag zu finden, mit einem normalen Rhythmus. Gleichzeitig habe ich mich unglaublich über einfache Dinge gefreut: ein gutes Buch, Spaziergänge oder Gartenarbeiten – Dinge, die man plötzlich wieder ganz neu zu schätzen weiss.
Was waren die grössten Herausforderungen dieses Kraftaktes? Und was hat dir geholfen, sie zu meistern? Welche Ressourcen waren dir am wichtigsten – innere wie äussere?
In Bezug auf die Atlantiküberquerung ganz klar der «gestörte» Schlafrhythmus – vor allem nachts. Ich bin regelmässig in einen Sekundenschlaf gefallen, gegen den ich nichts ausrichten konnte. Das war körperlich wie mental die grösste Herausforderung der Challenge auf dem Wasser.
Was hat dich am meisten überrascht auf eurem »Marathon«? Womit hast du nicht gerechnet? Und wie hast du darauf reagiert?
Am meisten überrascht hat mich die Unterforderung der Sinne, im Speziellen des Geruchsinns, während der Überquerung. Über 51 Tage hinweg habe ich so gut wie keine der erwarteten Gerüche wahrgenommen – keine Seebrise, keine Algen, nur saubere, klare, fast sterile Luft. Das war auf der einen Seite faszinierend ruhig und rein, auf der anderen Seite aber auch irgendwie enttäuschend , weil die Sinne keine Nahrung bekommen haben. Damit habe ich nicht gerechnet, und es hat mich nach einer gewissen Zeit tatsächlich beschäftigt.
Welcher Lerngewinn, welche Erkenntnisse und Einsichten sind für dich am wertvollsten?
Eine der wertvollsten Erkenntnisse war für mich der Mangel an visueller Abwechslung. Ich habe gemerkt, wie sehr ich visuelle Reize brauche – nicht zur Unterhaltung, sondern als Grundlage für meine Gedanken und Tagträume. Diese Einsicht nehme ich für mich mit: Nicht die Stille ist das Problem, sondern die visuelle Leere.
Würdest du ein solches Unternehmen noch einmal machen? Wenn ja, warum und in welcher Form, unter welchen Bedingungen? Wenn nicht, warum nicht?
Ich würde jederzeit wieder eine solche körperliche Herausforderung annehmen – aber unter anderen Bedingungen. Nicht im Rahmen einer grossen Kampagne, sondern komplett für mich allein: ohne Sponsoren, ohne Social Media, ohne Öffentlichkeit. Einfach aus eigener Motivation heraus.
Welches war aus deiner Sicht dein grösster Einsatz und dein grösster Gewinn?
Der grösste Einsatz lag für mich klar in der 3-jährigen Vorbereitungszeit – organisatorisch, mental und körperlich. Ich habe in dieser Phase unglaublich viel gelernt, besonders, was es heisst ein solches Projekt überhaupt bis zum Start zu bringen.
Ein echtes Highlight war die inspirierende Energie auf La Gomera – diese Aufbruchstimmung, die Unterstützung unter den Teams, die ansteckende Begeisterung der Crew von WORLD’S TOUGHEST ROW. Das war wirklich besonders.
Was den grössten Gewinn angeht, bin ich ehrlich: Ich bin noch auf der Suche nach dem Sinn hinter dem Ganzen. Die Emotionen fehlen – vielleicht braucht es einfach seine Zeit, um das wirklich einzuordnen.
Was möchtest du sonst noch mit uns teilen?
Vielleicht ist das, was ich teilen möchte, eher eine leise Erkenntnis:
Nicht jede aussergewöhnliche Erfahrung fühlt sich im Innern auch aussergewöhnlich an. Die Vorstellung von aussen – vom grossen Abenteuer, der Grenzerfahrung, dem emotionalen Höhepunkt – stimmt nicht immer mit der Realität überein. Für mich war vieles nüchtern, leise, sogar unerwartet unspektakulär.
Und vielleicht ist das genau das, was bleibt – eine Erfahrung, die nicht laut war, aber trotzdem etwas mit einem macht.
Liebe Katrin, deine Antworten zu deinem Erleben und euren Erlebnissen haben mich berührt, beeindruckt und zum Nachdenken gebracht. Ich danke dir sehr herzlich dafür und wünsche dir und Carla ein stimmiges Nachklingen-Lassen dieser besonderen Erfahrungen!
Hier findest du alle Informationen zum Projekt >>













