Ob ich eine Arbeit als Selbstständige auf Mandatsbasis für einen Auftraggeber leiste oder ob ich von dem Auftraggeber vorübergehend oder längerfristig für die besagte Arbeit Teilzeit anstellen lasse: Inhaltlich bleibt die Arbeit dieselbe, egal wie sie organisiert ist.

Die Digitalisierung bricht traditionelle Geschäfts- und Arbeitsmodelle auf und fördert eine zeitliche und örtliche Flexibilisierung der Arbeit jenseits der Organisationszugehörigkeit. Der als New Work bezeichnete Megatrend lässt sich bereits heute in verschiedensten Ausprägungen beobachten: Sei es die Kombination mehrerer Teilzeitanstellungen, sei es die Kombination von Selbstständigkeit und Teilzeitanstellung oder sei es ein phasenweiser Ablauf von Selbstständigkeit, (Teilzeit-)Anstellung, nicht selten unterbrochen durch Aus-Zeiten für Auslandaufenthalte, Weiterbildung, Betreuungsaufgaben oder ehrenamtliche Tätigkeiten.

Ganz anders präsentiert sich die Situation allerdings durch die Vorsorgebrille betrachtet. Denn unserem Vorsorgesystem liegt auch im 21. Jahrhundert immer noch das klassische, auf das 19. Jahrhundert zurückgehende Erwerbsmodell zugrunde, das davon ausgeht, dass die Erwerbstätigen nach ihrer Ausbildung einen Arbeitgeber haben und das möglichst während ihres gesamten Berufslebens. Dieses Modell mag ja für unsere Grosseltern und Eltern noch Gültigkeit gehabt haben, ist aber bereits in unserer Generation überholt und trifft erst recht nicht mehr für die nachfolgenden Generationen zu. Kurzum: Schöne neue Arbeitswelt trifft auf rückständiges Vorsorgesystem.

Welche Vorsorgehürden sich bei den modernen Arbeitsmodellen ergeben, kennen viele von Ihnen aus eigener Erfahrung:

  • Selbstständigkeit im Haupterwerb mit reduziertem Beschäftigungsgrad: Dieses Modell wählen nicht selten Berufsfrauen zum Zeitpunkt der Familiengründung, um einen Fuss im Arbeitsleben zu behalten. Oft bleibt ihr Einkommen aber in der Zeit unter der Schwelle, die ihnen einen Anschluss an eine BVG-Lösung ermöglichen würde. Das gilt momentan auch noch für einen Anschluss an IMPAVIDA. Was Sie dabei bedenken sollten: «Wer über längere Zeit in einem Pensum unter 50% arbeitet, riskiert nach der Pensionierung mit dem Existenzminimum auskommen zu müssen oder finanziell stark abhängig zu sein vom Partner oder der Partnerin. Mit einer Scheidung erhöht sich dieses Risiko.» Dies macht auch die 2016 erschienene Studie «Auswirkungen von Teilzeitarbeit auf die Altersvorsorge» der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten deutlich (nur auf französisch). Eine Abschaffung des Koordinationsabzugs und der Eintrittsschwelle oder zumindest eine Anpassung an den Beschäftigungsgrad würde Abhilfe schaffen. Dafür setzt sich auch unser Verband ein >>.
  • Kombination Selbstständigkeit und Teilzeitanstellung: Die Kombination kann durchaus Sinn machen, um mit dem konstanten Einkommen aus einer Teilzeitanstellung seine Fixkosten decken zu können oder um Schwankungen bei den Einkünften aus der selbstständigen Tätigkeit oder auch schlechte Zahlungsmoral auf Kundenseite abzufedern. Übersteigt das Einkommen aus der Teilzeitanstellung die BVG-Eintrittsschwelle, kann das Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit genutzt werden, um sich in der Pensionskasse des betreffenden Arbeitgebers im Rahmen des zulässigen Betrags (jährlich ausgewiesen im Pensionskassenausweis) einzukaufen. Bleibt das Einkommen aus der Teilzeitanstellung unter dem Koordinationsabzug und übersteigt aber das Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit die Eintrittsschwelle übersteigt, ermöglicht dies den Anschluss an eine BVG-Lösung wie IMPAVIDA und dort die Einkaufsmöglichkeiten nutzen, um ihre Altersvorsorge zu verbessern. Für den Anschluss an IMPAVIDA respektive den Abschluss des SE-Vorsorgeplans spielt es übrigens keine Rolle, ob Ihre Selbstständigkeit von der SVA im Haupt- oder Nebenerwerb anerkannt ist.
  • Kombination mehrerer Teilzeitanstellungen: Wer sich ein Portfolio aus verschiedenen Teilzeitanstellungen zusammengestellt hat, riskiert nicht selten, bei keiner der Anstellungen ein BVG-pflichtiges Einkommen zu erzielen und ist folglich von den Pensionskassen seiner Arbeitgeber ausgeschlossen. Bei IMPAVIDA ist ein Anschluss ebenfalls nicht möglich, da keine selbstständige Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG hat diese Lücke erkannt und bietet mit dem MA-Plan für Erwerbstätige mit mehreren Arbeitgebern, deren Lohnsumme kumuliert den BVG-Mindestlohn übersteigt, eine valable Lösung an >>

Nachdem die Vorlage zur Reform der Altersvorsorge im September 2017 an der Urne abgelehnt wurde und der Bundesrat nun gefordert ist, eine neue Vorlage auszuarbeiten, bleibt zu hoffen, dass dies mit einem scharfen Blick auf die neue Arbeitswelt erfolgt.

Corin Ballhaus
Taskforce IMPAVIDA