Verfolgen Sie die Berichterstattung und die Debatten um die Reform Altersvorsorge 2020? Als engagierte Unternehmerin, die ihre Altersvorsorge ernst nimmt und sich vorbildlich darum kümmert, haben Sie das bestimmt getan. Sind Sie angesichts der Komplexität der Materie noch am Werweissen, ob und was sie nun auf den Stimmzettel schreiben sollen?

Keine Angst. Wir bleiben unseren Statuten treu und geben Ihnen hier keine Stimmempfehlung ab. Wir nutzen aber die Gelegenheit, nochmals die Aspekte aus der Vorlage hervorzugeben, die insbesondere für uns Einzelunternehmerinnen eine besondere Bedeutung haben und auf die wir in den letzten Monaten da und dort auch schon mal hingewiesen haben.

Erhöhung des Rentenalters für Frauen: Na und?
Dass das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre und damit wieder auf das Niveau erhöht wird, dass es schon 1948 bei der Einführung der AHV hatte, dürfte für die meisten von uns nicht sonderlich dramatisch sein. Denn wir bestimmen ja eh selbst, wann wir uns pensionieren. Und das ist nicht selten erst nach Erreichen Referenzalters, ob es nun bei 64 bleibt oder auf 65 erhöht wird. Entweder weil wir aus Spass an unserer Arbeit länger arbeiten oder weil wir durch den Aufschub des Rentenbezugs unsere Altersvorsorge finanziell verbessern können. Insofern können wir auch gut damit leben, dass der Zeitpunkt für die Frühpensionierung in der 2. Säule im Rahmen der Reform von 58 auf 62 steigen soll. Störend ist da eher, dass nicht gleichzeitig das maximale Referenzalter um diese vier Jahre erhöht wird (vgl. dazu unseren Blog vom November 2016). Aber immerhin würde bei einer Annahme der Vorlage der Rentenbezug zwischen 62 und 70 Jahren flexibilisiert werden, was einen schrittweisen Rückzug aus dem Berufsleben ermöglicht.

Senkung des Koordinationsabzugs: Ein Lichtblick
Aufgrund unserer Erfahrungen bei der Entwicklung und Lancierung von IMPAVIDA hat sich gezeigt, dass viele Frauen mit eigener Firma Teilzeit erwerbstätig sind, oftmals, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Dadurch erreicht ihr AHV-Jahreseinkommen in vielen Fällen nicht die Eintrittsschwelle von CHF 21 150. Erst Einkommen, die diese Schwelle übersteigen, können in BVG-Lösungen versichert werden. Hier ist noch keine Anpassung vorgesehen. Was die Reformvorlage allerdings vorsieht, ist eine Reduktion des Koordinationsabzugs. Für Einkommen zwischen CHF 21 150 bis CHF 35 250 soll der Koordinationsabzug bei einer Annahme der Vorlage von bisher CHF 24 675 auf CHF 14 100 reduziert werden. Das würde die berufliche Vorsorge für diejenigen mit niedrigen Löhnen, Teilzeitpensen oder mehreren Arbeitgebern verbessern. Mehr zum Koordinationsabzug können Sie im Blog-Beitrag vom Januar 2017 nachlesen.

Senkung des Mindestumwandlungssatzes: Nachvollziehen der Realität
Kommt die Reformvorlage durch, würde der Satz, mit dem das Altersguthaben in der 2. Säule in Renten umgewandelt wird, ab 1.1.2019 jährlich um 0,2 Prozentpunkte auf 6{1d13992c2c9aa9ef6152450ae68d7e75cbdb52bb1822c4c6e302975dd1ffff78} gesenkt werden. Dieser Schritt ist längst überfällig und lediglich ein Anpassen an die veränderte Realität. Denn unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich, was bedeutet, dass das Altersguthaben, das wir in unser aktiven Berufszeit ansparen, inzwischen erheblich länger reichen muss. Das ist nur möglich, wenn der Satz, mit dem das Altersguthaben in Renten umgewandelt wird, dementsprechend reduziert wird. Nachdem er im Rahmen der 1. BVG-Revision von 7,2{1d13992c2c9aa9ef6152450ae68d7e75cbdb52bb1822c4c6e302975dd1ffff78} auf derzeit 6,8{1d13992c2c9aa9ef6152450ae68d7e75cbdb52bb1822c4c6e302975dd1ffff78} reduziert wurde, hat das Volk 2010 an der Urne einer weiteren Reduktion auf 6,4{1d13992c2c9aa9ef6152450ae68d7e75cbdb52bb1822c4c6e302975dd1ffff78} eine deutliche Absage erteilt. Je länger wir zuwarten, desto ungemütlicher wird die Situation für die Pensionskassen und die aktiv Versicherten. Denn bereits heute gibt es Pensionäre, die immer noch Renten ausbezahlt bekommen, obwohl ihr Altersguthaben bereits aufgebraucht ist. Dies aufgrund der Besitzstandwahrung bzw. des gesetzlichen Versprechens einer lebenslangen Rentenleistung. Bezahlt wird dies aus Rückstellungen und Reserven, die die Vorsorgeeinrichtungen für die Langlebigkeit ihrer Rentner bilden muss, was wiederum die Altersgutschriften der noch Erwerbstätigen schmälert.

Egal, wie die Abstimmung am 24. September 2017 ausgeht: Mit IMPAVIDA, unserer BVG-Vorsorgelösung bleiben wir am Ball und setzen alles daran, insbesondere den Selbstständigerwerbenden, einen gleichwertigen Zugang zur 2. Säule zu ermöglichen, wie dies gesetzlich für Angestellt vorgesehen ist. Hier setzen wir darauf, dass die Anbieter ihren gesetzlichen Spielraum zukünftig stärker nutzen. Übrigens: Die letzte grundlegende Reform der Altersvorsorge ist vor 20 Jahren erfolgt, d. h. sämtliche Reformvorlagen in diesem Zeitraum wurden an der Urne verworfen. Momentan sind in der AHV und bei der BVG ein Reformrhythmus von zehn Jahren vorgesehen. Eine Annahme der Reformvorlage würde den Rhythmus in der 2. Säule auf fünf Jahre zu reduzieren.
Corin Ballhaus, ballhaus profiling
Für weitere Fragen zur IMPAVIDA, BVG-Vorsorgelösung bitte direkt an Corin Ballhaus wenden. corin@ballhaus-profiling.ch